Die neue EnEV 2014 – Änderungen und Verschärfungen

Die EnEV 2014 ist am 11.10.2013 im Bundesrat beschlossen worden. Diesem Beschluss hat die Bundesregierung am 16.10.2013 zugestimmt.
Somit wird die EnEV 2014 sechs Monate nach der Verkündung in Kraft treten.

Gegenüber der EnEV 2013 enthält die EnEV 2014 folgende Änderungen und Verschärfungen:

  • Für Neubauten sind die Grenzwerte des Jahresprimärenergiebedarfs zum Heizen, Wassererwärmen, Lüften Kühlen und bei Nicht-Wohngebäuden auch für die eingebaute Beleuchtung ab dem 01.01.2016 um 25% verschärft worden.
  • Auch die Anforderungen an den Wärmeschutz der Gebäudehülle von Neubauten erhöhen sich. So sinkt der maximal erlaubte mittlere Wärmeverlust ab dem 01.01.2016 um ca. 20 %.
  • Wie bisher erfolgt die Berechnung über das Referenzgebäude der EnEV 2009; die Grenzwerte sind allerdings entsprechend zu verschärfen.
  • Für den Gebäudebestand ergeben sich hingegen keine nennenswerten Änderungen.

Hinweise:
Wenn am 01.01.2016 oder später für Neubauten ein Bauantrag oder eine Bauanzeige eingereicht bzw. bei genehmigungs- und anzeigefreien Bauvorhaben mit der Ausführung begonnen wird, gelten die kommenden Verschärfungen.
Bei einer Sanierung der Außenhülle oder der Erweiterung der beheizten oder gekühlten Nutzflächen von Bestandsgebäuden, bei der sich die Anforderungen der EnEV nicht auf den Neubau-Standard beziehen, greifen die Verschärfungen nicht. Dies trifft auch dann zu, wenn am 01.01.2016 oder später ein Bauantrag gestellt, eine Bauanzeige eingereicht oder mit der Bauausführung begonnen wird.

  • Eingeführt wird ein neuer Energieausweis mit verschobener Skala (früher 0 – 400 kWh/m², jetzt 0 – 250 kWh/m²) des „Bandtachos“ sowie der Angabe der Energieeffizienzklasse in der Skala.
  • Der Primärenergiefaktor Strom wird ab 2016 mit 1,8 angesetzt (Verdrängungsmix 2,8).
  • Im Energieausweis ist der regenerative Energieanteil auszuweisen.
  • In Immobilienanzeigen zum Verkauf und zur Vermietung sind die energetischen Kennwerte anzugeben.
  • Bei Verkaufs- oder Vermietungsabsicht besteht die Pflicht, dem Käufer oder Mieter den Energieausweis unaufgefordert vorzulegen.
  • An Käufer oder neue Mieter ist der Energieausweis zu übergeben.
  • Wer Energieausweise nicht übergibt oder vorlegt, begeht eine Ordnungswidrigkeit.
  • In kleinen behördlich genutzten Gebäuden besteht die Pflicht zum Aushang von Energieausweisen.
  • Auch in öffentlich genutzten Gebäuden wie z. B. Kinos, Theatern, Einkaufsmärkten, Banken usw. müssen Energieausweise ausgehangen werden, wenn in den Objekten auf über 500 m² Nutzfläche reger Publikumsverkehr stattfindet.
  • Jeder neu ausgestellte Energieausweis muss eine Registriernummer tragen. Diese Registriernummer wird von einer Energieausweis-Erfassungsstelle vergeben, bei der der Energieausweis-Ersteller gemeldet sein muss.
    Die Verwaltungskosten sollen 3 – 4 € pro Energieausweisnummer betragen.
    Der Energieausweis ist nach erfolgter Beantragung der Registriernummer endgültig und kann dann nachträglich nicht mehr verändert werden.
  • Es wird ein unabhängiges Stichproben-Kontrollsystems (10 % aller Energieausweise) eingeführt. Die Erfassungs- und Ergebnisdaten sind elektronisch zu übergeben.
  • Zur Überwachung der Einhaltung der EnEV Neubauanforderungen werden Stichprobenkontrollen durchgeführt.
  • Eingeführt wird eine detaillierte Überprüfung von Energieausweisen durch einen Gutachter (1% aller Energieausweise).
  • Als neuer Referenzklima-Standort, mit dem alle Berechnungen durchgeführt werden müssen, wurde Potsdam festgelegt.
  • Die DIN 4108 / 4701-10 sind weiterhin für Wohngebäude anwendbar. Sobald das Wohngebäude jedoch gekühlt oder mit einer PV- oder Windanlage ausgestattet wird, sind alle Berechnungen grundsätzlich nur noch nach DIN 18599 vorzunehmen.
  • Berechnungen nach DIN 18599 sind nach der Fassung der DIN 18599-2011 durchzuführen.
  • Die Beiblätter der DIN 18599 sind zu berücksichtigen.
  • Hinsichtlich des sommerlichen Wärmeschutzes ist der Entwurf der DIN 4108-2 2011 anzuwenden.
  • Die Sonderregelung „elektrische Warmwasserversorgung“ entfällt ab 01.01.2016 auch im Referenzgebäude.

Vorerst aus der EnEV gestrichen wurde die Einführung eines alternativen EnEV easy Verfahrens für Neubauten.

Hinweise zum EnEV easy Verfahren:
Das EnEV easy Verfahren für Neubauten sollte zur Anwendung kommen können, wenn das Gebäude einige besondere Randbedingungen erfüllt.
Voraussetzung sind eine Nutzfläche von 100 – 1.000 m², eine bestimmte Kompaktheit, Geschosse müssen übereinander liegen und alle beheizt sein, die Bauteile der Gebäudehülle müssen alle eine bestimmte energetische Qualität aufweisen usw.
Es steht eine kleine, beschränkte Auswahl üblicher Anlagentechniken zur Verfügung.
Sobald von einer Randbedingung abgewichen wird, ist wie bisher der detaillierte Nachweis durchzuführen.
Es ist zu vermuten, dass eine Überarbeitung zum EnEV easy Verfahren mit einer umfangreicheren Anlagentechnik erfolgt und in Form einer Richtlinie zur EnEV herausgegeben wird.

Da es bei der einstufigen Verschärfung zum 01.01.2016 geblieben ist, hat der Bauherr bis zu diesem Datum bei der Beantragung eines Neubaus die freie Wahl, ob die alte EnEV 2009 oder die neue EnEV 2014 angewendet werden soll.
Für die Erstellung von Energieausweisen für Bestandsgebäude darf mit ihrem Inkrafttreten allerdings nur die neue EnEV 2014 angewendet werden.
Auch gilt es als wahrscheinlich, dass die KfW für Ihre Effizienzhausförderung nur ein Verfahren zulassen wird.