Das Ende für Bleirohre in der Trinkwasserinstallation ist gekommen!

Es dürfte allseits bekannt sein, dass Blei im Trinkwasser gesundheitsschädlich und von daher alles andere als ein für Trinkwasserleitungen geeigneter Werkstoff ist.

Dem wurde mit den bisherigen Trinkwasserverordnungen stets, wenn auch mit unterschiedlicher Intensität Rechnung getragen, d. h. im Laufe der Zeit wurden die zulässigen Grenzwerte immer niedriger angesetzt.
Während bis November 2003 noch 0,04 mg/l Blei im Trinkwasser zulässig waren, gelten seit Dezember 2003 0,025 mg/l als Grenzwert, der in der Regel überschritten wird, wenn Bleirohre in größerem Umfang Bestandteil der Installation sind.
Für die Zeit ab dem 01. Dezember 2013 ist der Grenzwert auf nur noch 0,01 mg/l festgelegt worden. Damit dürfte er selbst dann überschritten werden, wenn nur wenige bleihaltige Bauteile in der Installation vorhanden sind.
Dies bedeutet, dass Trinkwasser, dessen Bleigehalt heute 0,025 mg/l bzw. 0,01 mg/l ab dem 01. Dezember 2013 überschreitet, de jure gar kein Trinkwasser ist.

kein Trinkwasser

Gleichwohl gibt es in vielen älteren Gebäuden immer noch Bleirohre und / oder bleihaltige verzinkte Eisenrohre in der Trinkwasserinstallation.

Sofern die Trinkwasserinstallationen in diesen Gebäuden in nächster Zeit nicht saniert werden, ist davon auszugehen, dass aus ihnen spätestens ab Dezember 2013 kein Trinkwasser mehr abgegeben werden kann!
Doch Trinkwasser wird nicht nur zum Trinken, sondern auch für die Körperpflege, das Reinigen von Kleidung und Wäsche sowie mit Lebensmitteln in Berührung kommenden Gegenständen benötigt, ist sozusagen unverzichtbar!

In Gebäuden, in denen es gemessen am Bleigehalt schon heute und zukünftig erst recht kein Trinkwasser im Sinne der Trinkwasserverordnung gibt bzw. geben wird, werfen sich folglich nicht nur hinsichtlich der Versorgung der Bewohner mit dem lebenswichtigen Nass einige Probleme auf.

So muss der Eigentümer bzw. Verwalter einer im Rahmen einer gewerblichen oder öffentlichen Tätigkeit betriebenen Wasserversorgungsanlage, in deren Installationssystem sich nach seiner Kenntnis Bleileitungen und / oder bleihaltige Leitungen befinden, hiervon betroffene Mieter entsprechend informieren, d. h. anschreiben oder durch Aushang darauf hinweisen.

Ein pflichtgemäßes Hinweisen auf einen derartigen Makel bedeutet jedoch, einen erheblichen Mangel an der Mietsache einzugestehen, denn schließlich sind Wohnungen, Büros, Praxen, Läden, Werkstätten u. ä. Mietsachen, in denen es kein Trinkwasser gibt, alles andere als der Normalfall.
In der Folge könnten Mieter in Anbetracht der offenkundig mängelbehafteten Mietsache eine Kürzung der Miete einfordern bzw. vornehmen, was je nach Größe des Objektes bzw. Anzahl der Wohnungen für den Vermieter empfindliche Einnahmenausfälle bedeuten kann.

Von daher können wir nur dazu raten, im Zuge der bereits heute an Großanlagen pflichtgemäß durchzuführenden Untersuchungen des Trinkwassers auch ein Auge auf dessen Bleigehalt zu haben, denn gemessene Bleikonzentrationen können Hinweise darauf geben, ob und wenn ja in welchem Umfang Bleirohre oder bleihaltige Rohre im Leitungssystem vorhanden sind und ob Handlungsbedarf hinsichtlich einer Sanierung besteht.

Zu berücksichtigen ist dabei allerdings der Zeitpunkt der Probenahme. Dieser kann maßgeblich für den Bleigehalt der Probe(n) sein, denn wenn zum Zeitpunkt der Probenahme(n) bereits viel Wasser entnommen worden ist, hat das nachgeflossene frische Wasser mit Sicherheit einen geringeren Bleigehalt als längere Zeit in der Leitung z. B. über Nacht gestandenes, unbewegtes und dem Bleiaustritt ausgesetztes.
Außerdem können auch jahreszeitlich bedingte Temperaturschwankungen, unterschiedliche Leitungsdrücke oder mechanische Einflüsse die Bleiabgabe und somit die Messergebnisse beeinflussen bzw. Schwankungen verursachen.
Prinzipiell lassen sich jedoch folgende Rückschlüsse ziehen:

  • Bei Messwerten unter 0,01 mg/l ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass im Haus keine Leitungen aus Blei oder bleihaltigen Werkstoffen vorhanden sind bzw. kein Blei in das Trinkwasser eingetragen worden ist.
  • Bei Messwerten zwischen 0,01 und 0,025 mg/l ist es wahrscheinlich, dass entweder nur geringe Teile des Leitungssystems aus Blei oder bleihaltigen verzinkten Eisenrohren bestehen oder aber dass, sofern ein großer Teil der installierten Leitungen oder sogar das komplette Leitungssystem aus Blei oder bleihaltigen Rohren besteht, sich in den Rohren eine Kalkschicht gebildet hat, die so stark ist, dass sie einen hohen Bleiaustritt verhindert.
  • Bei Messwerten über 0,025 mg/l ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass das Leitungssystems aus großen Teilen oder sogar insgesamt aus Bleirohren oder bleihaltigen Rohren besteht.

Was aber auch gesagt werden muss: Eine Verpflichtung, gezielt nach Bleirohren zu suchen, gibt es nicht!

Sofern jedoch bekannt oder offensichtlich ist, dass Bleirohre oder bleihaltige Leitungen vorhanden sind, sich deren Existenz z. B. im Zuge von Arbeiten herausstellt oder aber im Ergebnis von Trinkwasseruntersuchungen den Grenzwert überschreitende Bleibelastungen festgestellt werden, ergibt sich zumindest hinsichtlich der Information der Mieter zwingender Handlungsbedarf.

Die Konsequenzen können weitreichend, finanziell unter Umständen von erheblicher Tragweite sein und viele Haus- und / oder Wohnungseigentümer an die Grenzen ihrer momentanen Belastbarkeiten bringen.
Doch selbst, wenn je nach Umfang der im Leitungssystem vorhandenen Bleirohre oder bleihaltigen Rohre ein mehr oder weniger großer Aufwand zu treiben ist, um neue Leitungen zu installieren, unter Umständen ein Aufstemmen von Wänden unumgänglich wird und es das Ende alter Bäder bedeutet, weil keine Ersatzfliesen mehr zu beschaffen sind, sollte das Wohl und die Gesundheit der Menschen immer im Vordergrund stehen, aber auch die Vermietbarkeit und damit Rentabilität des Gebäudes / der Wohnung im Fokus behalten werden.

Eine Sanierung zahlt sich mit Sicherheit aus – egal aus welchem Blickwinkel man sie betrachtet!