Lehmputz im Innenbereich

Das Interesse an Bauökologie und gesundem, behaglichem Wohnen ist eine der wesentlichen Motivationen für die Verwendung von Lehmbaustoffen im Allgemeinen und von Lehmputzen im Besonderen.
Von Bedeutung ist aber auch die Ästhetik des Baustoffes, über den sich vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten erschließen.
Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Vorzug des Materials Lehm liegt zudem in seiner Selbsthilfefreundlichkeit.

Lehmputz


Rohmaterial

Die in verschiedenen Arten vorkommenden Lehme sind allesamt Verwitterungsprodukte aus Urgesteinen.
Sie setzen sich aus Ton, Sand und Schluff zusammen.
Man unterscheidet Berg- oder Gehängelehm, Geschiebelehm, Mergel, Schwemmlehm und Lößlehm.

Art und Anteil der Tonminerale sind maßgeblich für die Bindekraft des Lehms, die in g/cm² angegeben wird.

Unterschieden werden:

  • magerer Lehm (Bindekraft 50 – 110 g/cm²)
  • fast fetter Lehm (Bindekraft 111 – 200 g/cm²)
  • fetter Lehm (Bindekraft 201 – 280 g/cm²)
  • sehr fetter Lehm (Bindekraft 281 – 360 g/cm²)

Je höher der Tongehalt im Lehm ist, desto mehr Wasser kann gebunden werden und besser ist die Haftung. Allerdings steigt die Neigung zur Rissbildung.

Veredelung

Für die Verwendung als Lehmputz werden je nach Lehmart, Einsatzbereich, gewünschter Oberflächenstruktur und / oder Farbgebung verschiedene Materialien beigemischt.
Als Zusätze können Strohhäcksel, Kuh- oder Pferdedung, Tierhaare, Hanf, Flachs, Waid, Sägemehl, Sägespäne, Holzhackschnitzel, Gesteinsmehle, Farbpigmente, Molke, Quark, Tierblut aber auch hydraulische Bindemittel wie Silikate, Kalk oder Zement zugesetzt werden.

Hinweis:
Ohne hydraulische Zuschlagstoffe härtet Lehmputz durch die besonderen strukturellen Eigenschaften des Tons allein durch die Verdunstung des Anmischwassers aus. Er haftet durch mechanische Verkrallung am Untergrund. Hydraulische Bindemittel werden nur eingesetzt, um spezielle Anwendungen zu ermöglichen und / oder den Bauablauf zu straffen.

Sehr fetter und fetter Lehm können bei Bedarf mit Sand abgemagert werden. Dieser sollte nicht zu fein sein und einen gleichmäßigen Kornaufbau aufweisen. Die Verwendung von gewaschenem Sand ist nicht erforderlich.

Durch die Beimischung von pflanzlicher Stärke und Pflanzenfasern (Stroh, Dung, Zellulose) lässt sich die hohe Bindekraft, die Lehm von Natur aus besitzt, noch verstärken. So können widerstandsfähige, harte und von hoher Festigkeit charakterisierte Oberflächen erzielt werden.
Mit frischem Kuhdung lässt sich neben der Bindekraft auch noch die Witterungs- und Abriebsfestigkeit erhöhen. Außerdem hat Kuhdung aus biologischer Fütterung fungizide Wirkung und verhindert somit weitgehend eine Schimmelbildung.

Achtung!
Kuhdung aus Maisfütterung ist untauglich. *

* Quellenangabe:
Fraunhofer IRB – baufachinformation.de
Kurztext zur Denkmalpflege
Materialbedarf zur Mischung von Strohlehm
Nieden, G. zur;
Quelle: Lehmbau im Fachwerkbau, 1986
ISBN: 3-7927-0911-2
Standort in der IRB-Bibliothek: DEFBJ 10 E 86/343

Für Strohbeigaben wird in der Regel Gerstenstroh verwendet, da diese Strohart besonders widerstandsfähig (z. B. gegen Schimmelbildung) ist.
Geeignet ist jedoch auch Roggenstroh. Weizenstroh hingegen ist besonders schimmelanfällig.

Durch teilweises oder vollständiges Ersetzen des Anmischwassers durch Molke oder ein Zusetzen von bis zu 5 Vol.-% Quark lassen sich die Verarbeitbarkeit des Mörtels und die Festigkeit verbessern.

Produkteigenschaften

In 1997 von Christof Ziegert durchgeführten Brandversuchen konnte nachgewiesen werden, dass Lehm mit organischen Zuschlagstoffen auch bei niedriger Rohdichte der Baustoffklasse A1 – „nicht brennbar“ zugeordnet werden kann.
Dabei ist jedoch die Art des Zuschlagstoffes von wesentlicher Bedeutung, wobei beachtlich ist, dass mit Stroh die niedrigste in die Baustoffklasse A 1 einzustufende Dichte erzeugt wird.

Bei folgenden Rohdichten wurde die Zuordnung zur Baustoffklasse A1 nachgewiesen:

≥ 1.100 kg/m² bei Strohhäckseln
≥ 1.300 kg/m² bei Holzhackschnitzeln
≥ 1.550 kg/m² bei Sägespänen
≥ 2.000 kg/m² bei Sägemehl

Lehmputz ist diffusionsoffen, also wasserdampfdurchlässig, und ermöglicht somit prinzipiell die Feuchteaufnahme und -abgabe dahinter liegender Wandschichten.
Weiterhin wirkt er selbst als Klimapuffer. Kein anderer Putz ist in der Lage, mehr Feuchte aufzunehmen und bei Bedarf wieder abzugeben.
Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Wandoberfläche nicht mit filmbildenden Anstrichen wie Dispersions- oder Latexfarbe bzw. mit als Dampfdiffusionsbremse fungierenden Beschichtungen wie „kunststoffvergüteten“ Tapeten überzogen ist.
Interessant ist, dass die meiste Feuchtigkeit in den obersten Millimetern der Putzschicht gebunden wird. Unter normalen Rand- bzw. Nutzungsbedingungen sind etwa die oberen 10 mm der Putzschicht als „Kurzzeit-Klimapuffer“ relevant. Stärkere Putzschichten bringen im Hinblick auf die Abpufferung von kurzzeitigen Luftfeuchtespitzen keine relevanten Vorteile.
Nicht zu unterschätzen ist jedoch, dass die Dicke des Putzes eine wesentliche Rolle im Hinblick auf die Wasserdampfabsorption nach einer sprunghaften Erhöhung der relativen Luftfeuchte von 50 auf 80 % spielt. So konnte von Christof Ziegert 2003 nachgewiesen werden, dass bei einem derartigen Anstieg der Luftfeuchtigkeit nach 12 Stunden folgende Wasserdampfabsorptionen erreicht werden:

etwa 12 g/m² bei einer Lehmputzstärke von 2 mm
etwa 25 g/m² bei einer Lehmputzstärke von 5 mm
etwa 51 g/m² bei einer Lehmputzstärke von 15 mm
etwa 59 g/m² bei einer Lehmputzstärke von 25 mm

Bei extremen Wetterumschwüngen oder längeren, d. h. über etwa 1 Stunde hinausgehenden nutzungsbedingten Luftfeuchteerhöhungen sind stärkere Putzschichten raumklimatisch also deutlich von Vorteil.

Lehmputze haben zum Teil deutlich bessere Wärmedämmeigenschaften als herkömmliche Gips-, Kalk-Gips-, Kalk-, Kalk-Zement- und Zementputze.
Auch hinsichtlich des die Wasserdampfdiffusion hemmenden Widerstandes, der in der Wasserdampfdiffussionswiderstandszahl (dimensionslose Einheit µ) gefasst wird, können sie selbst Gipsputzen überlegen sein.

Beispiele:

Strohlehm-Dämmputz
Rohdichte 500 kg/m³* – Wärmeleitzahl λ = 0,114 W/mK* – µ1/µ2 = 5/10 [1]

Strohlehm-Dämmputz
Rohdichte 700 kg/m³* – Wärmeleitzahl λ = 0,192 W/mK* – µ1/µ2 = 5/10 [2]

Strohlehm-Grundputz
Rohdichte 1.000 kg/m³* – Wärmeleitzahl λ = 0,35 W/mK – µ1/µ2 = 5/10 [3]

Strohlehm-Oberputz
Rohdichte 1.200 kg/m³* – Wärmeleitzahl λ = 0,47 W/mK – µ1/µ2 = 5/10 [4]

Lehm-Feinputz
Rohdichte 1.600 kg/m³* – Wärmeleitzahl λ = 0,73 W/mK – µ1/µ2 = 5/10 [5]

Gipsputz ohne Zuschlag
Rohdichte 1.200 kg/m³ – Wärmeleitzahl λ = 0,35 W/mK – µ1/µ2 = 10

Gipsputz ohne Zuschlag
Rohdichte 1.200 kg/m³ – Wärmeleitzahl λ = 0,51 W/mK – µ1/µ2 = 10

Kalk-Gipsputz
Rohdichte 1.400 kg/m³ – Wärmeleitzahl λ = 0,70 W/mK – µ1/µ2 = 10

Kalkputz
Rohdichte 1.800 kg/m³ – Wärmeleitzahl λ = 0,87 W/mK – µ1/µ2 = 15/30

Kalk-Zementputz
Rohdichte 1.800 kg/m³ – Wärmeleitzahl λ = 0,87 W/mK – µ1/µ2 = 15/35

Zementputz
Rohdichte 2.000 kg/m³ – Wärmeleitzahl λ = 1,40 W/mK – µ1/µ2 = 15/35

* Angabe lt. Hersteller, Stand Januar 2012
alle anderen Angaben nach DIN V 4108-4

Produkte vom Kleinfahner Lehmwerk LehmBaustoffe Thilo Schneider, Anger 56, D-99100 Kleinfahner, www.lehmwerk-kleinfahner.de
[1] = Strohlehm-Dämmputz-Mischung mit Blähglasgranulat
[2] = Strohlehm-Dämmputz-Mischung mit Blähschiefergranulat
[3] = Strohlehm-Grundputz-Mischung „Universal“
[4] = Strohlehm-Oberputz-Mischung „Struktur“
[5] = Lehm-Feinputz-Mischung „Fein“

Hinweis:
Bei vielen Baustoffen kann der µ-Wert in Abhängigkeit von der relativen Feuchte erheblich variieren, weshalb dann ein unterer (höchste Feuchte) und ein oberer (niedrigste Feuchte) Wert angegeben wird.
Bei bauphysikalischen Berechnungen ist der für die Baukonstruktion ungünstigere Wert anzusetzen.

Putzstärken im Bereich zwischen 20 und 30 mm ermöglichen es problemlos, drei bis siebenadrige Elektroleitungen und andere Kabel (z. B. für Telefone, EDV-Netzwerke, Sprechanlagen, Antennenanlagen) einzuputzen, ohne diese in Wandschlitzen verlegen zu müssen.
Dabei kann die gegenüber anderen Putzen herausragende Eigenschaft des Lehms genutzt werden, elektromagnetische Strahlungen zu dämpfen. In einer von Prof. Dipl.-Ing. Peter Pauli in Zusammenarbeit mit Dr.-Ing. Dietrich Moldan an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg durchgeführten Untersuchung konnte nachgewiesen werden, dass Lehm hochfrequente Strahlungen im Vergleich mit anderen Massivbaustoffen sehr gut dämpft. Im Bereich von 1800 MHz (E-Netze) und 2000 MHz (UMTS) erreicht er Spitzenwerte von 33 bzw. 35 dB. Lediglich im Bereich von 900 MHz (D-Netze) muss er sich mit 15 dB dem Leichtbeton (Rohdichte 600 kg/m²) geschlagen geben, der eine Dämpfung von 20 dB bringt.
Im Vergleich mit verschiedenen Wandbaustoffen wurde Lehmputz nur von speziellen reinen Abschirmlösungen (z. B. kupferbeschichtete Fliesen, Folien und Tapeten), Abschirmputzen und Abschirmplatten übertroffen.

Lehmputz hat eine schad- / geruchsstoffbindende Eigenschaft, die wesentlich zu gesunden Wohn- / Arbeitsraumverhältnissen beitragen kann.
Die im Lehmputz enthaltenen, eine permanent negative Oberflächenladung aufweisenden Tonminerale besitzen die Fähigkeit, in der Luft befindliche Stoffe an ihren Oberflächen zu binden und sorgen somit dafür, dass Schadstoffe und Gerüche aus der Raumluft aufgenommen und neutralisiert werden.
Vermutlich wird diese Bindung noch durch einen regenerativen Prozess unterstützt, an dem insbesondere die artspezifische Bakterienflora beteiligt ist, denn diese ist in der Lage, Gift- und Geruchsstoffe abzubauen.
Die Frage danach, wann ein Lehmputz „voll“ ist, kann derzeit zwar noch nicht beantwortet werden, jedoch ist davon auszugehen, dass mit zunehmender Putzstärke das Speichervermögen steigt.

Sofern keine hydraulischen oder chemischen Zuschlagstoffe zugefügt werden, ist die Verarbeitung von Lehmputz gesundheitlich unbedenklich. Weder Augen, Haut noch Atemwege werden gereizt.

Hinweis:
Wir haben den Umgang mit angemischtem Lehm stets als angenehm, ja sogar wohltuend empfunden. Offenbar besitzt Lehm ähnliche Eigenschaften wie Heilerde und entfaltet beim Umgang ähnliche Wirkungen wie diese bei äußerer Anwendung; Muskelspannungen werden gemindert, Entzündungen und durch diese verursachte Schmerzen gehen zurück, Kreislauf und Stoffwechsel werden angeregt.


Verwendung und Putzarten

Eine geeignete Mischung und Verarbeitung voraussetzend ist der Einsatz von Lehmputz im Innenbereich überall dort möglich, wo kein Spritzwasser anfällt und keine dauerhaft erhöhte Luftfeuchtigkeit herrscht.
Sofern ein häufiger Tapetenwechsel abzusehen ist, empfiehlt sich auch hier die Verwendung anderer Putze.
Als Untergrund für Fliesen ist Lehmputz nur bedingt geeignet.

Häufigste Verwendung findet Lehmputz im Innenbereich als sogenannter Grund- bzw. Unterputz und Fein- bzw. Oberputz.

Der Grund- bzw. Unterputz wird in der Regel aus einem Lehm-Stroh-Gemisch hergestellt, dessen Rohdichte in Abhängigkeit von Art und Anteil der Zuschlagstoffe zwischen etwa 1.000 – 1.800 kg/m³ liegen kann. Je nach Rohdichte weisen Stroh-Lehm-Gemische Wärmeleitzahlen zwischen 0,35 und 0,91 W/mK auf. Sie sollten max. 35 mm stark aufgebracht werden.
Erhältlich sind jedoch auch Lehmdämmputze mit Wärmeleitzahlen von bis zu unter 0,20 W/mK für Auftragsstärken von min. 20 mm bis max. 50 mm. So bietet z. B. das Kleinfahner Lehmwerk LehmBaustoffe Thilo Schneider ein Lehm-Stroh-Gemisch mit Blähglasgranulat an, das eine Wärmeleitzahl von 0,114 W/mK aufweist.

Der Fein- bzw. Oberputz besteht normalerweise aus einem Quarzsand-Lehm-Gemisch, das 2 bis 5 mm dick aufgetragen werden sollte.
Daneben gibt es aber auch Oberputz mit Stroh, sogenannten Struktur-Oberputz.

Für die Verwendung als Innenputz sollen Lehmputze eine Druckfestigkeit von ≥ 1,5 N/mm² aufweisen.

Ausführung

Vor dem Auftragen des Lehmputzes müssen die Bauteile ausreichend ausgetrocknet und das Schwinden oder Setzen muss abgeschlossen sein.
Das zu putzende Bauteil muss frostfrei sein. Die Bauteil- und Lufttemperaturen sollen +5 °C keinesfalls unterschreiten. Aus eigener Erfahrung können wir allerdings dazu raten, keine Putzarbeiten bei Temperaturen unter +10 °C durchzuführen, da ansonsten der Trocknungsprozess sehr langsam abläuft und Stockflecken enstehen bzw. sich Schimmelkolonien bilden können.
Wichtig ist auch, dass der Untergrund maßgerecht ist, so dass der Lehmputz in gleichmäßiger Stärke aufgetragen werden kann, um gleichmäßiges Abtrocknen zu ermöglichen und übermäßige Rissbildung zu vermeiden. Dass er tragfähig, staubfrei und frei von Verunreinigungen sein muss und auch nicht durch bauschädliche Salze belastet sein darf versteht sich von selbst.

Der Putzgrund ist je nach Erfordernis vorzubereiten. Hierzu gehören das Entfernen oder Stabilisieren loser Bestandteile, das Abbürsten oder Binden von Staub, das Ausgleichen von Unebenheiten, Verschließen von Rissen, Spalten und Schlitzen, ggf. das Verbessern der Griffigkeit und der Haftung durch das Aufbringen von Verfestigungsmitteln, Haftbrücken, Grundierungen (z. B. Kasein- oder Silikatgrundierung) oder Spritzbewürfen aus Lehm oder anderen Putzmörteln sowie das Sperren von Flächen mit durchschlagenden Stoffen.

Achtung!
Silikatgrundierungen können Dispersions-Anteile enthalten.

Bei glatten oder unsicheren, gemischten Untergründen empfiehlt sich das Aufbringen von Putzträgern.

Die meisten Untergründe sind in Abhängigkeit von ihrem Saugverhalten mehr oder weniger intensiv vorzunässen.
Da Lehmputz im Gegensatz zu allen anderen Putzmörteln nicht chemisch abbindet, kann er durch Wassermangel bzw. -entzug nicht aufbrennen. Insoweit müssen keine Aufbrennsperren aufgetragen werden.

Hinweis:
Holzwolle-Leichtbauplatten brauchen nicht, Putzträger aus Schilfrohrgewebe dürfen nicht vorgenässt werden. Bei Gipskarton- und Gipsfaserplatten ist eine zu starke Anfeuchtung zu vermeiden.

Auf Gipskarton- und Gipsfaserplatten, Betonflächen (ohne Schalöl), alten Putzen und allen glatten mineralischen Untergründen kann das Aufbringen eines Lehmputzhaftgrundes erforderlich sein. Dies sollte jedoch im Einzelfall abgewogen werden.

Achtung!
Lehmputzhaftgründe können neben Marmormehl auch Essigsäureester, Methylzellulose, Borax, Phosphat und / oder Natriumsalz, u. U. sogar synthetische Konservierungsmittel enthalten.

Hinweise:
Auf Gipskarton- und Gipsfaserplatten kann Lehmputz nur sehr dünn, d. h. in ein einer Stärke von max. 3 mm aufgebracht werden.
Auf Span- und OSB-Platten kann kein Lehmputz aufgebracht werden.

Lehmputz kann von der Hand angeworfen oder aufgezogen, in Abhängigkeit von den Zuschlagstoffen ggf. aber auch maschinell angespritzt werden.
Während der Grund- bzw. Unterputz ein- oder mehrlagig aufgebracht wird, erfolgt der Auftrag des Oberputzes prinzipiell einlagig.

Hinweis:
Nach unserer Erfahrung hat es sich bewährt, den angemischten Lehmputz eine Weile ruhen zu lassen, um dem Stroh Zeit zum Quellen zu geben. Der Putzmörtel wird dadurch weicher bzw. geschmeidiger und lässt sich so deutlich angenehmer und leichter verarbeiten.

Sofern ein Armierungsgewebe in den Grund- bzw. Unterputz eingebracht werden muss oder soll, empfiehlt sich ein mehrlagiger Putzauftrag.

Hinweis:
Nach unserer Erfahrung hat sich ein lagenweises Aufbringen des Grund- bzw. Unterputzes bewährt, wobei wir die einzelnen Lagen in Stärken zwischen 8 und 12 mm nass in feucht aufgetragen haben.

Grundsätzlich gilt, dass der Putz gleichmäßig am Untergrund und die einzelnen Lagen gut aneineinder haften müssen. Auch muss der Putzmörtel innerhalb der einzelnen Lagen ein gleichmäßiges Gefüge besitzen.

Die Oberfläche des Grund- bzw. Unterputzes wird von Hand geglättet, die des Oberputzes kann geglättet, gerieben, gefilzt oder abgeschwämmt werden.

Tipp:
Zum Abschwämmen eignen sich aus „ausrangierten“ Schaumstoffmatratzen handgerecht zugeschnittene Blöcke.

Hinweis:
Aus eigener Erfahrung können wir sagen, dass wir die Verarbeitung von Lehmputzen im Vergleich zu anderen Putzen stets als deutlich angenehmer und problemloser empfunden haben.

Achtung!
In Abhängigkeit von den Inhaltsstoffen des Lehmputzes kann dieser stark färbend sein. Von daher ist Vorsicht insbesondere bei holzsichtig belassenen Oberflächen geboten.
Wir hatten z. B. den Fall, dass mit Hanffasern angereicherter Oberputz zu starken Verfärbungen naturbelassenen Sichtfachwerks geführt hat.

In der Bauzeitenplanung sind die Trockenzeiten des Lehmputzes zu berücksichtigen. Diese sind abhängig von dem Materialmischungsverhältnis, der Konsistenz des angemischten Lehmmörtels, der Auftragsstärke, den Temperaturen und der Lüftung.
Zu beachten ist, dass Lehmputze möglichst rasch trocknen müssen, denn zu langsam trocknende Lehmputze können schimmeln. Sobald eine dauerhafte natürliche Durchlüftung nicht ausreicht bzw. jahreszeitlich bedingt oder aus anderen Gründen nicht möglich ist, ist in jedem Fall eine maschinelle Bautrocknung erforderlich.

Nach der Trocknung absandende Oberflächen sollten abgefegt oder abgebürstet werden. Sichtig bleibende Flächen sind dabei mit Vorsicht zu behandeln, um durch zu hohen Anpressdruck und / oder zu harte Borsten entstehende Spuren zu vermeiden.

Achtung!
Die Anwendungs- / Verarbeitungshinweise der Lehmputzhersteller sind in jedem Fall zu beachten.


Weiterbehandlung

Naturfarbig belassene Lehmputze können bei Bedarf verfestigt werden. Allerdings kann dies zu einer Veränderung des Farbtones führen. Arbeitsproben sind insoweit dringend zu empfehlen.

Beispiele:
Kaliumwasserglas kann verdünnt zur festlegenden Tränkung verwendet werden.
Kieselsäureester können zur Putzfestigung eingesetzt werden; in Putzhohlräumen bildet sich Siliciumdioxid.

Achtung!
Die Auswirkungen von Verfestigungen können gravierend sein, da sie in der Regel vollflächig auf allen Wänden und / oder Decken aufgebracht werden und somit durch die unvermeidbare Ausgasung für die Schadstoffbelastung in der Raumluft bedeutsam sind.

Sofern erwünscht, können Beschichtungen oder Anstriche auf Lehmputzen problemlos aufgebracht werden, wobei sich hier offenporige wie z. B. Lehm-Spachtelputze, Lehm-Streichputze, Lehm- oder Kalkfarben empfehlen. Feste, dicke und schichtbildende Beschichtungen oder Anstriche neigen hingegen zum Ablösen.
Bei der Verwendung von Kalkschlämme ist nicht nur eine sorgfältige und ausreichende Annässung des Lehmputzuntergrundes unbedingt erforderlich sondern ggf. auch eine Grundierung oder Verfestigung durch Einreiben einer Schlämme aus feinem Sand und Kalk vorzunehmen.

Bei Bedarf können auch dünne Kalkputze der Mörtelgruppe PI nach DIN V 18550 aufgezogen werden. Die Dicke sollte zwischen 3 und 5 mm betragen. Der Untergrund muss rau sein und sorgfältig sowie ausreichend vorgenässt werden.
Lehmputze lassen sich problemlos tapezieren, sofern sie glatt sind. Unter Umständen empfiehlt sich eine Vorbehandlung mit einem geeigneten Grundierungsmittel. Um die Tapete später leicht und ohne Beschädigungen des Lehmputzes ablösen zu können, sollte eine Makulatur aufgebracht werden.

Pflege / Instandhaltung

Durch Wasserspritzer bzw. Berührungen mit nassen Händen auf unbehandelten Feinputzoberflächen entstandene dunkle Flecken lassen sich durch Abbürsten oder Abreiben mit einem trockenen feinporigen Schwamm spurlos beseitigen.

Fehlstellen oder Beschädigungen von Lehmputzen lassen sich sehr leicht beseitigen. Hierzu wird der Lehmputz angenässt und anschließend Lehmmörtel aufgetragen. Die Oberflächenbearbeitung erfolgt je nach der Beschaffenheit der angrenzenden Flächen.

Überarbeitungen können nach Annässung problemlos ausgeführt werden.

Für an weiteren Informationen Interessierte:

Dem speziellen Thema „Lehmputz im Außenbereich“ ist ein eigener Beitrag gewidmet.

Wenn sie diesbezüglich mehr erfahren möchten, klicken Sie einfach hier.