Nachspeisung von Heizungswasser

Im Laufe der Zeit lässt selbst bei der besten Heizungsanlage der Druck des Heizungswassers langsam aber sicher nach. – Wer kennt nicht die dann typischen gluckernden Geräusche in den Heizkörpern oder Leitungen?
Spätestens, wenn sich ein abgesunkener Wasserdruck so bemerkbar macht, ist es an der Zeit, Heizungswasser nachzufüllen. Nicht nur, um dem nervigen Gluckern ein Ende zu bereiten, sondern auch um Schäden an der Pumpe (Kavitation!), Wirkungsgradeinbußen und Korrosion zu vermeiden.

Die Nachspeisung von Heizungswasser erfolgt in der Regel über eine Verbindung zwischen einer Zapfstelle und dem Heizungskreislauf.
Althergebrachte, um nicht zu sagen klassische Lösung: Ein Schlauch zwischen zwei Hähnen, eigentlich nur zum kurzzeitigen Anschluss gedacht, der Einfachheit halber aber meist dauerhaft belassen.
Zur „komfortableren“ Ausstattung zählen schon ein Rückflussverhinderer oder eine Füllarmatur (oftmals mit integriertem Rückflussverhinderer).

Sofern zumindest ein Rückflussverhinderer eingebaut ist und der Schlauch wirklich nur kurzzeitig angeschlossen wurde, war dies zu Zeiten der DIN 1988-4 noch statthaft.

Mit Inkrafttreten der neuen DIN 1988-100 sind die Zeiten dieser einfachen Nachspeisung von Heizungswasser jedoch vorbei, denn in Verbindung mit der DIN EN 1717 sind nunmehr für die Befüllung und Nachspeisung von Heizungsanlagen vorübergehende Verbindungen ohne Schutzmaßnahmen nicht mehr erlaubt.
Im Klartext heißt es in der DIN EN 1717: „Alle Anschlüsse an die Trinkwasserinstallation werden als ständige Anschlüsse angesehen.“
Dies bedeutet, dass in jedem Fall eine Absicherung gegen mögliches Rücksaugen erfolgen muss!
Hierzu sind gem. Anhang A der DIN 1988-100 nur ganz spezielle Sicherungseinrichtungen zugelassen, zu denen Rückflussverhinderer nicht zählen.

Wer jetzt glaubt, die alte Technik hätte Bestandsschutz, der irrt sich. – Der Anschluss der Heizungsanlage an die Trinkwasserinstallation zählt nämlich zur Wasserversorgungsanlage und für diese gibt es keinen Bestandsschutz! – Wasserversorgungsanlagen unterliegen der Trinkwasserverordnung. Diese regelt wiederum die Qualität des Produktes, nämlich des Lebensmittels Trinkwasser, und das ist zweifelsfrei keine bauliche Anlage und genießt somit auch keinen Bestandsschutz.
Wer Mängel an seinen Trinkwasseranlagen nicht beseitigt oder erforderliche Nachrüstungen nicht durchführt, handelt zumindest fahrlässig und macht sich ggf. strafbar!

Um eine Nachrüstung einer zugelassenen Sicherungseinrichtung kommt man somit im Fall des Falles nicht herum!

Hinsichtlich der Auswahl der Sicherungseinrichtung ist zu berücksichtigen, welcher Flüssigkeitskategorie das Heizungswasser zuzuordnen ist:

  • Heizungswasser ohne Zusatzstoffe = Kategorie 3
  • Heizungswasser mit Zusatzstoffen (z. B. Korrosionsschutz, Frostschutz u. ä.) = Kategorie 4

Während einige Typen der sogenannten „Freien Ausläufe“ als Sicherungseinrichtung zwar zugelassen, jedoch nicht gebräuchlich sind, kommen in jedem Fall Rohrtrenner mit kontrollierbarer reduzierter Mitteldruckzone (Typ BA) und durchflussgesteuerte Rohrtrenner (Typ GB) in Betracht.

  • Armaturen des Typs BA besitzen Einrichtungen, die eine Kontrolle jeder der drei Druckzonen der Armatur und der Dichtheit der Sicherungseinrichtung (Schließkörper, Entlastungsventil) zulassen.
  • Armaturen des Typs GB haben hingegen lediglich eine Einrichtung, die die Position der Rohrtrennung entweder direkt sichtbar macht oder durch eine Anzeige erkennen lässt.

Bei Anlagen mit Heizungswasser der Kategorie 3 können alternativ auch Rohrtrenner mit unterschiedlichen, nicht kontrollierten Druckzonen (Typ CA) sowie nicht durchflussgesteuerte Rohrtrenner (Typ GA) eingesetzt werden.

  • Nachteil des Typs CA ist die fehlende Möglichkeit zur Kontrolle der Sicherungseinrichtung. Insoweit ist dieser Typ nicht empfehlenswert.
  • Armaturen des Typs GA haben eine Einrichtung, die die Position der Rohrtrennung entweder direkt sichtbar macht oder durch eine Anzeige erkennen lässt.

Um die Funktion der Sicherungsarmatur zu gewährleisten ist die Vorschaltung oder Integration eines Filters / Schmutzfängers erforderlich.
Weiterhin ist der Einbau von Absperrventilen vor und hinter der Sicherungsarmatur normativ vorgeschrieben.

Im Hinblick auf die gesetzlich vorgeschriebene Instandhaltung, d. h. die Prüfung / Kontrolle und Wartung der Sicherungseinrichtungen empfiehlt sich unter Berücksichtigung der v. g. Armatureneigenschaften der Einbau eines Rohrtrenners mit kontrollierbarer reduzierter Mitteldruckzone (Typ BA).

Sicherungseinrichtung BA

Empfehlenswert ist die Wahl eines Produktes mit integriertem Schmutzfänger. Geachtet werden sollte auch darauf, dass die Armatur über eine in einer Baugruppe zusammengefasste differenzdruckgesteuerte Sicherungspatrone verfügt, da dies ein einfaches Wechseln ermöglicht bzw. die Wartung erleichtert und dass das Ablassventil systemdruckunabhängig arbeitet, d. h. bei Druckschwankungen nicht tropft.
Dass das Produkt über die erforderliche(n) Zulassung(en) verfügt, ist unabdingbare Voraussetzung.

Rohrtrenner BA - Gebr. KEMPER, Olpe

Rohrtrenner Typ BA

Quelle: Gebr. KEMPER, Olpe

Möglich ist natürlich auch der Einbau einer Kombi-Armatur, die Absperrungen, Rohrtrenner des Typs BA, Druckminderer, Manometer und Abwasseranschluss enthält und mit einem Wärmedämmgehäuse ausgestattet ist.

Hinweis:
Aus Sicherheitsgründen müssen derartige Nachspeisearmaturen nach der Befüllung auf jeden Fall geschlossen werden, weil ansonsten jede Leckage an der Heizungsanlage zu einer ungehinderten Nachspeisung und damit zur Vergrößerung des Wasserschadens führt.

Doch Achtung!

In zu langen, wassergefüllten, aber nicht regelmäßig bzw. ausreichend durchflossenen Zuleitungen kann es zur Stagnation kommen. Die Folge ist eine Verkeimung, insbesondere mit Legionellen.
Die Zuleitung kann somit zur Brutstätte werden, von der aus sich die Keime ins übrige Leitungsnetz ungehemmt ausbreiten können.
Begünstigt werden kann dieses Horrorszenario durch keimwachstumsfördernde Umgebungsbedingungen, d. h. relativ hohe Temperaturen im Heizungsraum.

Von daher sollte immer darauf geachtet werden, dass die Sicherungsarmatur bzw. das ihr vorgebaute Absperrventil so nah wie möglich am Abzweig vom ständig durchflossenen Leitungsnetzteil platziert wird.
Der Abstand zwischen Abzweig und Ventil darf maximal das Zehnfache des Leitungsquerschnittes (10 x DN) betragen!

Sofern die Länge der Zuleitung mehr als das Zehnfache des Leitungsquerschnittes beträgt, kommen prinzipiell zwei Möglichkeiten zur Stagnationsvermeidung in Betracht:

1. Im Versorgungs-Steigstrang wird ein dynamischer Strömungsteiler eingesetzt, an den ein Leitungsring mit kleinem Querschnitt angebunden wird.
Damit wird trinkwasserseitig eine hygienisch unbedenkliche Installation geschaffen, denn durch die Zwangsdurchströmung der Anschlussringleitung wird eine Stagnation vermieden. – Bei einem kleinen Volumenstrom in der Verteilleitung / im Steigstrang bleibt die dynamische Venturi-Düse fast vollständig geschlossen, so dass fast der gesamte Volumenstrom zur Versorgung der an die Verteilleitung / den Steigstrang angebundenen Entnahmestellen durch den Anschlussring geleitet wird. Bei einem höheren Volumenstrom in der Verteilleitung / im Steigstrang öffnet beim Erreichen des Öffnungsdruckes die dynamische Venturi-Düse. Dann fließt zwar der größte Teil des Volumenstromes direkt im Durchgang des Strömungsteilers, ein kleiner Teilvolumenstrom wird aber dennoch durch die Ringleitung umgeleitet. Somit ist stets ein Austausch des Wassers im Anschlussleitungsring gewährleistet.

Nachspeisungsanschluss über Strömungsteiler

Quelle: Gebr. KEMPER, Olpe

2. Bei unveränderter Zuleitung wird unmittelbar vor dem Systemtrenner eine Spüleinrichtung gesetzt. Diese nimmt dann in Anlehnung an die VDI 6023 alle drei Tage einen Wasserwechsel vor (z. B. 3-fach in Anlehnung an DIN 1988-600).

Geeignet sind automatische Spüleinrichtungen, die entweder recht einfach über einen Zeitgeber betätigt oder über eine GLT-Anbindung gesteuert und überwacht werden können.

Nachspeisungsanschluss mit Spüleinrichtung

Quelle: Gebr. KEMPER, Olpe

Aber selbst, wenn die v. g. Anforderungen berücksichtigt werden, kann die folgend beschriebene Anlagenkonstellation erhebliche Risiken bergen:

Zwischen dem Rohrtrenner und der Einspeisung der Heizungsanlage, z. B. einer Füllarmatur (mit Rückflussverhinderer, Druckminderer und Absperreinrichtung), befindet sich eine ständige Schlauchverbindung oder eine fest verlegte Rohrleitung (Anschlussleitung).

Geht man von dieser Situation aus, tritt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Verkeimung des Stagnationswassers (Flüssigkeitskategorie 5 !!!) in der Anschlussleitung ein. Damit besteht die Gefahr, dass sich Keime durch die Sicherungseinrichtung in das Trinkwassernetz ausbreiten können. – Keime können selbst durch keramische Dichtungen hindurch „wandern“!
Und nicht zu vernachlässigen ist: Legionellen wachsen besonders gut an Gummi- und Kunststoffoberflächen, etwa an Dichtungen oder in Ventilen; Kunststoff kann ihnen sogar als Nahrung dienen.
Der Rohrtrenner ist in diesem Fall schlichtweg überfordert, im Übrigen auch völlig fehl am Platz, da nur bis zur Flüssigkeitskategorie 4 zugelassen.

Problemlösung:
Die Anschlussleitung zwischen der Sicherungsarmatur und der Heizungsanlage wird nach erfolgter Nachspeisung hinter dem Rohrtrenner abgeschiebert und vollständig entleert. Beim Einsatz eines Schlauches wird dieser nach Benutzung abgenommen.
Somit wird Stagnationswasser und die Enstehung von Keimen vermieden.

Beispiel:

Befüllung einer Heizungsanlage mittels Rohrtrenner Typ BA (hier KEMPER ‚FK-4‘) und temporärer Schlauchverbindung

Heizungsbefüllung

Quelle: Gebr. KEMPER, Olpe

Hinweis:

Den bei größeren Heizungsanlagen häufig eingesetzten automatischen Nachspeiseeinrichtungen ist ein gesonderter Beitrag ‚Automatische Nachspeisesysteme für Heizungsanlagen – Vorteile und Risiken‘ gewidmet, der hier abrufbar ist.

Wenn Sie zur vorgenannten Thematik eine Beratung wünschen, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren.

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