Pflicht zur Dämmung oberster, begehbarer Geschossdecken ab 2012

Die geltende Energieeinsparverordnung (EnEV) schreibt ab dem 01.01.2012 die Dämmung bisher ungedämmter oberster Geschossdecken von beheizten Räumen unter nicht gedämmten Dächern vor.

Diese sogenannte „unbedingte“, öffentlich-rechtliche Nachrüstungsverpflichtung ist für alle Gebäude- und Wohnungseigetümer sowie Verwalter zwingend! Sie besteht unabhängig davon, ob am Gebäude energetische Maßnahmen (z. B. Sanierungen) durchgeführt werden.

Die Eigentümer von Wohn- sowie Nichtwohngebäuden, die jährlich mindestens vier Monate lang auf Innentemperaturen von mindestens 19 °C beheizt werden, müssen dafür sorgen, dass bisher ungedämmte, begehbare oberste Geschossdecken beheizter Räume so gedämmt werden, dass der Wärmedurchgangskoeffizient der Geschossdecke 0,24 W/(m²•K) nicht überschreitet.

Diese Dämmpflicht gilt als erfüllt, wenn anstelle der Geschossdecke das darüber liegende, bisher ungedämmte Dach entsprechend gedämmt wird.
Damit wird klargestellt, dass der mit der Geschossdeckendämmung angestrebte Zweck auch durch eine qualitativ gleiche Dämmung des Daches zu erfüllen ist.
Durch die Möglichkeit, anstelle der Geschossdecke das Dach zu dämmen, bleibt eine etwaige Ausbaureserve unangetastet.

Wohngebäude mit nicht mehr als zwei Wohnungen, in denen bereits am 01.02.2002 eine Wohnung vom Eigentümer selbst genutzt worden ist, sind von der Nachrüstpflicht freigestellt.
Die Pflicht zur Dämmung trifft erst im Falle eines Eigentümerwechsels nach dem 01.02.2002 den neuen Eigentümer.
Die Frist zur Erfüllung der Dämmpflicht beträgt zwei Jahre ab dem ersten Eigentümerwechsel.

wichtiger Hinweis:

Es besteht keine Pflicht zur nachträglichen Dämmung, wenn die oberste Geschossdecke oder das Dach bereits über eine durchgehende, allenfalls durch Balken oder Sparren unterbrochene Schicht eines Dämmstoffes verfügt oder die Decke den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2:2003-07 erfüllt. Dieser beträgt 0,90 m²K/W für Decken unter nicht ausgebauten Dachräumen, bekriechbaren oder noch niedrigeren Räumen sowie belüfteten Räumen zwischen Dachschrägen und Abseitenwänden bei ausgebauten Dachräumen bzw. 1,20 m²K/W für Decken und Dächer, die Aufenthaltsräume gegen die Außenluft abgrenzen.

Nach den vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung am 30.07.2009 bekanntgegebenen Regeln zur Datenaufnahme und Datenverwendung im Wohn- und Nichtwohngebäudebestand kann davon ausgegangen werden, dass seit 1969 errichtete massive Deckenkonstruktionen und Holzbalkendecken aller Baualtersklassen dem v. g. Mindestwärmeschutz für Decken unter nicht ausgebauten Dachräumen, bekriechbaren oder noch niedrigeren Räumen sowie belüfteten Räumen zwischen Dachschrägen und Abseitenwänden bei ausgebauten Dachräumen entsprechen.

mögliche Ausnahmen / Befreiungen:

Von einer nachträglichen Dämmung der Geschossdecke oder alternativ des Daches kann abgesehen werden, wenn die für die Nachrüstung erforderlichen Aufwendungen durch die eintretenden Einsparungen nachweislich nicht innerhalb einer angemessenen Frist erwirtschaftet werden können (Wirtschaftlichkeitsgebot).
Nach der bisherigen Rechtsprechung kann davon ausgegangen werden, dass der maximale Zeitraum, bei dem noch von einer wirtschaftlich sinnvollen Amortisation gesprochen werden kann, bei etwa 10 Jahren liegt.
Zum Nachweis ist eine fundierte Berechnung durchzuführen. Ein gesonderter Antrag muss allerdings nicht gestellt werden.

Darüber hinaus können noch andere Gründe für eine Befreiung von der Nachrüstpflicht vorliegen.
So kann man von den Anforderungen der Nachrüstungsverpflichtung befreit werden, wenn die Anforderungen im Einzelfall wegen besonderer Umstände durch einen unangemessenen Aufwand oder in sonstiger Weise zu einer s. g. „unbilligen Härte“ führen.
Eine „unbillige Härte“ liegt z. B. vor, wenn die erforderlichen finanziellen Aufwendungen innerhalb der üblichen bzw. noch zu erwartenden Nutzungsdauer durch die eintretenden Energieeinsparungen nicht erwirtschaftet werden können. Dies trifft z. B. auf leer stehende oder zum Abriss bestimmte Gebäude zu.
Ein Härtefall kann auch dann vorliegen, wenn der Eigentümer zum gleichen Zeitpunkt oder in nahem zeitlichen Zusammenhang mehrere Pflichten zur energetischen Sanierung bzw. Nachrüstung zu erfüllen hat und ihm dies nicht zugemutet werden kann.
Im Gegensatz zu einer sich auf dem Wirtschaftlichkeitsgebot begründeten Verpflichtungsbefreiung muss in derartigen Fällen jedoch ein gesonderter Antrag bei der nach Landesrecht zuständigen Behörde gestellt werden.

Ein anderer Fall, in dem keine Pflicht zur Nachrüstung besteht, kann dann gegeben sein, wenn das Gebäude ausschließlich über Strahlungsheizungen auf empfundene Temperaturen von 19 °C beheizt wird. Dies ist zum Beispiel mittels s. g. Hell- oder Dunkelstrahler aber auch Heizleisten möglich.
Die Besonderheit dieser Stahlungsheizungen liegt darin, dass die Raumlufttemperatur niedriger ist als die empfundene Temperatur. Die Temperaturdifferenz beträgt erfahrungsgemäß etwa 3 °C.
Die Nutzung der Gebäude ist ohne Einschränkungen möglich. Im Vergleich mit Gebäuden, in denen die Raumlufttemperatur höher ist als die Temperatur der Wände, Decken und Böden, bieten strahlungsbeheizte Räume zusätzlich den Vorteil einer höheren Behaglichkeit.
Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass Innentemperaturen von mindestens 19 °C nicht erreicht werden und somit ein wesentlicher Faktor für eine Nachrüstpflicht nicht gegeben ist.

Anmerkung:
Diese Argumentation stützt sich auf eine Auslegung der Fachkommission Bautechnik der Bauministerkonferenz, veröffentlicht im 5. Teil der Auslegungsfragen zur Energieeinsparung, beschlossen am 09. März 2004.

Und:
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Wenn Sie zum Kreis derer gehören, die – egal ob sie nun verpflichtet sind oder nicht – vorhaben, ihre oberste Geschossdecke zu dämmen, ist für Sie vielleicht auch der Beitrag „Dämmung oberster Geschossdecken gegen unbeheizte Dachräume“ von Interesse.